Wann und wo 2019 Fahrverbot für Diesel herrscht

Dieselfahrer müssen langsam aufpassen. Nachdem bereits 2018 erste Straßen für Diesel-Fahrzeuge gesperrt wurden, ziehen 2019 viele große Städte nach. Betroffen sind Kommunen, die bislang keine andere Lösung gefunden haben, die Grenzwerte für Stickstoffdioxid einzuhalten. Der europäische Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Betroffen sind vor allem Städte im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen.

Hamburg, der Vorreiter

Hamburg hat gemessen an seiner Einwohnerzahl die meisten Grünflächen Deutschlands und spielt sogar im internationalen Vergleich ganz vorne mit. Trotzdem hat Hamburg als erste Stadt Deutschlands am 31. Mai 2018  Fahrverbote für Diesel erteilt. Auf einem 580 Meter langen Abschnitt der Max-Brauer-Allee gilt ein Verbot für Pkw und Lkw, die nicht die Schadstoffnorm Euro 6 erfüllen. Auf den 1,7 Kilometern der Stresemannstraße, gilt dieses Verbot lediglich für Lkw.

Trotz der Fahrverbote haben sich die Messwerte im Oktober auf den beiden Straßen im Vergleich zum Vorjahr sogar verschlechtert. Trotzdem wird auch 2019 weiter an den Sperrungen festgehalten. Bei Verstoß drohen Bußgelder von 20 Euro für Pkw, sowie 75 Euro für Lkw.

2019 folgen ganze Stadtgebiete

In den kommenden Monaten werden viele Städte auf gerichtliche Anordnung hin nachziehen. Ein sehr konsequentes Verbot wir für Stuttgart ausgesprochen. Dort werden ab 1. Januar Autos mit der Abgasnorm Euro 4 oder schlechter aus dem gesamten Stadtgebiet verbannt. Lediglich Autos mit örtlichem Kennzeichen, haben noch eine Frist bis zum 1. April.

Auch in Köln sollen Diesel bis zur Abgasnorm 4, sowie Benziner der Klassen 1 und 2 ab dem 1. April aus dem Stadtzentrum und anderen Stadtteilen verbannt werden. Ab September gilt die Verbotszone dann sogar für Euro-5-Diesel. Mit 62 Mikrogramm Stickstoffdioxid, überstiegen die Kölner Messwerte die erlaubten 40 um mehr als die Hälfte. In der Nachbarstadt Bonn sind außerdem zwei zentrale Hauptstraßen von einem ähnlichen Verbot betroffen.

In Essen gilt ab 1. Juli nicht nur ein Fahrverbot in 18 Stadtteilen, sondern auch für Teile der A40, die durch das Essener Stadtgebiet führt. Wie in Köln gilt das Verbot vorerst für Diesel-Fahrzeuge bis zur Euro-4-Norm, sowie Benziner der Euro-Norm 1 und 2. Im September weitet sich das Verbot schließlich noch auf Euro 5-Dieselfahrzeuge aus.

Einzelne Straßen hier und da

Im Vergleich trifft es Gelsenkirchen noch ganz gut. Dort darf die zentrale Kurt-Schumacher-Straße ab Juli nur noch von Dieselautos befahren werden, die mindestens die Norm 6 erfüllen. Trotzdem geht die Stadt Gelsenkirchen gegen das Dieselurteil vor.

In Berlin wird das Ganze schon etwas unübersichtlicher. Dort treffen Fahrverbote mehrere Teilstrecken von rund 100 Metern. Die Verbote gelten für Diesel mit der Abgasnorm Euro 5 oder älter.

Weitere Verbotszonen noch nicht Druckreif

Relativ sicher gilt auch eine Verbotszone für die Innenstadt von Frankfurt. Diese könnte ab Februar für Diesel bis zur Euro 4-Norm, sowie Benziner der Schadstoffklassen 1 und 2 dicht sein. Der Verwaltungsgerichtshof in Kassel muss noch über die Berufung des Landes entscheiden. Sollte das Urteil nicht widerrufen werden, gilt ab September zudem auch ein Verbot für Euro-5-Diesel. Für einen Hauch von Realsatire sorgt eine Idee des Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling. Dieser möchte Dieselbusse aus der City verbannen. Die Straßenbahnen sollen dort die Busse mit höherer Taktung kompensieren.

In Darmstadt wurde am 19. Dezember erst das Dieselfahrverbot für zwei Straßen beschlossen. Die Parteien konnten sich außergerichtlich auf einen Vergleich einigen. Die eigentlich für denselben Tag veranschlagte Entscheidung über ein Fahrverbot in Wiesbaden wurde indes vertagt. Sie soll nun erst im kommenden Jahr fallen. Das Verwaltungsgericht will zunächst neue Berechnungen abwarten, nachdem in Wiesbaden zur Vermeidung unter anderem eine E-Bus-Flotte an den Start bringt. Bis 2022 plant Wiesbaden, die erste deutsche Großstadt zu sein, in der nur noch Elektro- und Brennstoffzellenbusse fahren.

Mainz könnte nochmal mit einem blauen Auge davon kommen. Die Stadt bekommt noch eine Frist von sechs Monaten, um den NO2-Grenzwert unter die Euro-Norm zu bekommen. Andernfalls stünden auch dort entsprechende Maßnahmen an. Bis zum 1. April muss für diesen Fall ein Konzept der Stadt vorliegen.

Bei Autokauf an mögliche Einschränkungen denken

Dieses Jahr treten einige neue Fahrverbote in Kraft und es ist schwer abzusehen, welche Fahrverbote noch folgen. Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte sich bei der Anschaffung eines neuen Autos bereits Gedanken machen, ob er es auch in einigen Jahren noch auf allen Straßen fahren darf. Außerdem sollte es ohnehin nicht nur ein Gedanke mit dem Blick auf mögliche Verbote sein, sondern vor allem mit dem Blick auf unsere Umwelt – die brauchen wir noch eine Weile.


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