ADAC-Umfrage: Deutschlands Tiefgaragen schlecht gerüstet für E-Wende

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Der ADAC hat keine Mühen gescheut, um herauszufinden, wie es um die Stromversorgung in Tiefgaragen größerer Mehrfamilienhäuser steht: In elf deutschen Großstädten, darunter Berlin, Hamburg, München und Köln, wurden 310 Hausverwaltungen und andere Unternehmen danach befragt, wie viele ihrer Objekte über einen Stromanschluss in den Garagen verfügen. Warum der ganze Aufwand?

Der Automobilklub wollte wissen, wie vielen Bewohnern von Mehrfamilienhäusern eine Lademöglichkeit für E-Autos zu Verfügung steht. Bevor das ernüchternde Ergebnis der Umfrage genauer betrachtet wird, sollte erwähnt sein: Der Großteil der Menschen in Deutschland lebt in Mehrfamilienhäusern. Und diejenigen, die ein Elektroauto besitzen, verwenden lieber den heimischen Stromanschluss anstelle einer externen Ladestation. So ist es nicht nur am bequemsten, sondern meist auch am günstigsten.

Stromversorgung in Tiefgaragen ist rar

Bild von falco auf Pixabay
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Zwar verläuft die Umstellung auf Elektroautos in Deutschland bisher eher zögerlich, dennoch ist zu erwarten, dass zukünftig zunehmend mehr elektrisch betriebene Fahrzeuge auf den Straßen fahren werden. Genau an dieser Stelle grätscht der ADAC mit der Umfrage rein und macht deutlich: Von den 4815 Objekten mit mehr als 10 Stellplätzen haben gerade einmal vier Prozent einen Stromanschluss. Doch es wird noch ernüchternder: Von diesen vier Prozent sind lediglich die Hälfte sogenannte Wallboxen.

Diese Boxen sind kleine Ladestation. Sie sind also dafür gebaut, den Akku eines E-Autos schnell und effektiv zu laden. Das geschieht mitunter um ein Vielfaches schneller als bei einer gewöhnlichen Steckdose. Deshalb weist der ADAC auch darauf hin, dass laut Technik-Experten eigentlich nur diese Wallboxen dafür geeignet seien.

Hausverwalter geben nachvollziehbare Gründe an

Die E-Wende wird zwar nicht über Nacht kommen, dennoch ist beachtlich, wie schlecht wir darauf vorbereitet sind. Das macht sich auch bei den verhältnismäßig wenig Ladesäulen bemerkbar, die in Deutschland derzeit zur Verfügung stehen. Wir haben bereits darüber berichtet, wie die App Next Plug euch dabei hilft, die nächstgelegene Ladestation zu finden.

So schlecht die Stromversorgung in Tiefgaragen auch aussehen mag, die Hausverwalter haben ein valides Argument dafür, es zunächst dabei zu belassen: Rund 80 Prozent von ihnen gaben als Grund an, dass schlichtweg keine Nachfrage der Mieter beziehungsweise Wohnungseigentümer besteht. Weitaus weniger, jeweils circa 20 Prozent, gaben an, dass technische Umsetzungsprobleme oder eine nicht ausreichende Leistungsfähigkeit der Zuleitung Gründe für den fehlenden Stromanschluss sind.

Hamburg und München sind Vorreiter

Bild von andreas160578 auf Pixabay
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Dass sich bald ein Sinneswandel einstellt, ist unwahrscheinlich. Eine schwierige Gesetzeslage sowie fehlende Lehrrohre für Stromkabel in vielen Mehrfamilienhäusern hemmen den Ausbau. Die Umfrage des ADACs verdeutlicht nochmals, dass Deutschland noch einen langen Weg hin zu einer E-Wende gehen muss.

Allerdings werden vom ADAC die Städte Hamburg und München als Vorreiter hervorgehoben. Die Hansestadt rechne bis 2030 mit rund 100.000 E-Autos im Stadtgebiet. Demnach wollen die Verantwortlichen einer zusätzlichen Stromnachfrage von 500 Gigawatt nachkommen. Die Münchener Stadtwerke hingegen hätten bereits ein Elektromobilitäts-Angebot für Mehrfamilienhäuser entwickelt. Dabei würde der Hausanschluss auf die neuen Anforderungen vorbereitet und Stromleitungen in Tiefgarage verlegt. Auch die Kosten dafür tragen die Stadtwerke selbst, heißt es. Lediglich der einzelne Ladepunkt als solcher wird mit rund 1500 Euro in Rechnung gestellt.


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