ART – Autonome Straßenbahn ohne Schienen in China

Die schienenlose Straßenbahn ART.

Autonomous Rail Rapid Transit (ART) nennt sich die neue Straßenbahn, die in der chinesischen Stadt Yibin am 5. Dezember in Betrieb gegangen ist. Eine Straßenbahn an sich wäre aber kaum eine große Neuigkeit. Beim ART handelt es sich allerdings um eine autonome Straßenbahn ohne Schienen. Das neue Verkehrsmittel könnte Straßenbahnen für viele Städte wieder attraktiv machen. Die erste Linie deckt eine Strecke von 17,7 Kilometern Länge ab.

Ist das noch eine Straßenbahn?

Der ART nutzt also keine Schienen. Stattdessen ist die Fahrspur auf der Straße. Zwei eng beieinanderliegende gestrichelte Linien, in der gleichen Farbe wie andere Straßenspuren. Das sind die Schienen für die neue Straßenbahn in Yibin. Aber ist das denn noch eine Straßenbahn?

Sieht man sich die auf den ersten Blick unspektakulären Züge an, unterscheidet sie kaum etwas von gewohnten Straßenbahnen. Es ist das gleiche etwas klobige Grunddesign für rund 300 Fahrgäste. Auch der Innenraum erinnert ganz gewohnt an eine Straßenbahn. Ebenso die Fahrerkabine.

Aber Fahrerkabine? Hieß es nicht, dass die Straßenbahn autonom fährt? Das stimmt zumindest zur Hälfte. Die ART-Züge lassen sich nämlich sowohl von einem Fahrer steuern, als eben auch autonom. Autonom nutzt das Fahrzeug Sensoren und das globale Navigationssystem zur Fahrt. Dafür benötigt es dann auch die Spur als optische Schiene.

Die Züge erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 70 Stundenkilometer und werden elektrisch betrieben. Eine ausreichende Geschwindigkeit für ein Verkehrsmittel, das vorzugsweise in der Stadt fährt und viele Zwischenstationen hat.

Die autonome Straßenbahn ist praktisch

Dass die Straßenbahn keine Schienen benötigt, hat enorme Vorteile. Zum einen ist die Streckenlegung ressourcenschonender, zum anderen aber auch flexibler. Da die Strecke nur aufgemalt werden muss, lässt sich die Strecke bei Bedarf einfacher anpassen. Außerdem dürfte es im manuellen Betrieb möglich sein, den Zug auch außerhalb der virtuellen Schiene zu fahren. So lässt sich der Fahrbetrieb auch aufrecht erhalten, wenn ein Abschnitt der Strecke gesperrt ist.

Autonomous Rail Rapid Transit ist also eine günstigere Alternative zur normalen Straßenbahn, die mit Elektromotor und autonomen Betrieb auch ganz auf der Höhe der Zeit ist. Dass zusätzlich noch Oberleitungen entfallen, ist ein weiterer Pluspunkt für das Fahrzeug, das als Mischung aus Straßenbahn, Zug und Bus beschrieben wird.

Bald auch in Qatar?

Interesse hat die Straßenbahn bereits in Qatar geweckt, wo 2022 die Fußballweltmeisterschaft stattfindet. Seit Sommer führt der Hersteller CRRC Zhuzhou Locomotive Company auch dort erste Tests durch. Große Sportveranstaltungen sind nicht selten auch Schaulaufen für neue Technologien.

Vor der Strecke in Yibin führte das Unternehmen außerdem auch Tests auf einer 6,5 Kilometer langen Teststrecke in seiner Heimatstadt Zhuzhou durch. Mit vielen Bodenschätzen in der Umgebung, gehört Zhuzhou zu den wichtigsten Städten für Schienenfahrzeuge, Triebwagen und Elektrolokomotiven. Ob bald auch in Deutschland eine erste schienenlose Straßenbahn fährt? Das Verkehrsmittel soll neben Yibing in mehr als 80 Städten eingeführt werden – in China und außerhalb.


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