Autofreie Straßen – eine dauerhafte Lösung?

Photo by Micheile Henderson via Unsplash

Das Auto muss sich mittlerweile einiges an Kritik gefallen lassen. Manches ist gut begründet, anderes scheint eher überzogen. Viele Städte in Deutschland versuchen der hohen Belastung durch Autos entgegenzuwirken und haben dabei die unterschiedlichsten Herangehensweisen. Als vor Jahren die Umweltplakette eingeführt wurde, begann eine hitzige Debatte um das Autofahren in der Innenstadt. Der Wunsch nach mehr Fahrradwegen, welche vor allem breiter sein sollten, ist in den allermeisten Bürgerschaften stark ausgeprägt. Außerdem steht der klimafreundliche Ausbau des Personennahverkehrs auf der Agenda der Stadträte. Heute ist es normal, dass das Autofahren in der Innenstadt als Privileg weniger gilt. Man benötigt ein klimafreundliches Auto, um unter Bussen und Fahrradfahrern verkehren zu dürfen, doch dies könnte sich bald ändern.

Der Stadtteil Ottensen in der Hansestadt Hamburg versucht sich an einem neuen Projekt. Unter dem Motto „Ottensen macht Platz“ wird die Fußgängerzone für sechs Monate erweitert, indem zwei anliegende Straßen fortan autofrei sind. Dies gilt allerdings nur von 23 Uhr bis 11 Uhr, schließlich müssen die Geschäfte für das Beliefern zugänglich sein. Natürlich dürfen auch Taxis in die Straßen einfahren, für diese gelten allerdings dieselben Zeiten.

Mehr Platz für Fußgänger und Fahrradfahrer

Man verspricht sich vom Projekt einiges. Die autofreien Straßen werden durch Fußgänger und Fahrradfahrer bevölkert. Durch das Wegfallen der Parkplätze wird einiges an Platz frei, welcher von den Anwohnern genutzt werden soll. Die Straßen sollen wieder lebendiger werden, und zwar nicht durch einen übermäßigen Autoverkehr. Nur etwas mehr als ein Viertel der Anwohner besitzen ein Auto, daher sind der Widerstand und die Kritik aus dem Stadtteil eher mäßig. Von außerhalb zeichnet sich jedoch die eine oder andere Gegenstimme ab.

Die Sorgen und Bedenken zur autofreien Innenstadt sind verständlich. Zum einen haben Gewerbetreibende Sorge um ihre Kunden und fürchten, dass ihre Geschäfte nicht mehr erreichbar sind. Andere befürchten, dass sich die freien Straßen zu Partymeilen entwickeln könnten. Bisher haben sich die Sorgen noch nicht bestätigt, vor allem weil das Projekt Wirkung zu zeigen scheint.

Sehen wir schon bald mehr autofreie Straßen?

Die Sorge der Unternehmer hat sich schnell in Luft aufgelöst, denn wie es scheint, sind die Umsätze durch die autofreien Straßen gestiegen. Auf den Straßen herrscht frohes Treiben und dies lädt wohl zum Bummeln ein. Den Anwohnern scheint die Umstellung zu gefallen. Ottensen ist einer der Stadtteile Hamburgs, der viele junge Familien beherbergt. Es ist also nicht überraschend, dass der Umschwung bei diesen gut ankommt.

Momentan zeigt sich eine positive Tendenz dazu, dass die autofreien Straßen in Ottensen beibehalten werden. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet. Durch Umfragen soll ein umfangreicheres Bild vom Nutzen des Ganzen geschaffen werden. Außerdem wird die Luftqualität gemessen, um zu schauen, ob es starke Unterschiede gibt. Die Zukunft wird also zeigen, ob und wie viele autofreie Straßen es geben wird.


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