Gibt es bald nur noch autonome öffentliche Verkehrsmittel?

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Wenn wir über autonomes Fahren sprechen, dann geht es meistens darum, wie uns Privatfahrzeuge in Zukunft alleine von A nach B bringen sollen. Lästige Staus wären dann sicherlich einfacher auszuhalten. Aber wie sieht es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln aus? Bieten Bus und Bahn nicht auch das Potenzial, ohne Fahrzeugführer durch die Straßen bzw. auf Schienen unterwegs zu sein? Erste Versuche für autonome öffentliche Verkehrsmittel gibt es bereits.

Was spricht für autonome öffentliche Verkehrsmittel?

Laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom stehen 77 Prozent der Bürger dem Einsatz von autonomen öffentlichen Verkehrsmitteln offen gegenüber. Im Dezember 2015 waren es erst 61 Prozent. Dieser Anstieg lässt sich teilweise mit der Verbesserung der Technik erklären, welche in autonomen Fahrzeugen eingesetzt wird. Nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande, gibt es immer mehr Firmen, die verschiedene Ansätze in Richtung autonomes Fahren ausprobieren. Und damit teilweise auch schon Erfolge verzeichnen.

Darüber hinaus bieten autonom gesteuerte Verkehrsmittel im öffentlichen Raum natürlich auch weitere Vorteile. So könnte zum Beispiel die Pünktlichkeit erhöht werden. Gleichzeitig könnten durch die sinkenden Personalkosten Busse und Bahnen auch auf ländlichen Gebieten 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche eingesetzt werden. Mit dem nötigen Know-How und guter Organisation könnten autonome öffentliche Verkehrsmittel also zu einer stärkeren Vernetzung führen. Und wenn die neuen Busse und Wagons mit Öko-Strom angetrieben werden, hat die Umstellung auf autonome Fahrzeuge zusätzlich einen positiven Effekt auf die Umwelt.

Autonomer ÖPNV schon Alltag in Deutschland

Bisher ist die Gesetzeslage in Deutschland, was autonomes Fahren auf Straßen angeht, noch ziemlich stark reguliert. Wer ein „autonomes“ Verkehrsmittel einsetzen möchte, der muss immer noch einen Fahrer mit an Bord haben, der im Notfall eingreifen kann. So geschehen zum Beispiel in Mainz, wo es einen Langzeittest mit einem autonomen Elektrobus Namens „Emma“ gab. Der hatte im Betrieb zwar nur maximal 14 km/h drauf und war mit nur acht Sitzplätzen nicht sonderlich groß, doch es ging der Mainzer Verkehrsgesellschaft erst einmal darum, das Vertrauen der Fahrgäste zu gewinnen und sie buchstäblich langsam an die Thematik der autonomen öffentlichen Verkehrsmittel heranzuführen.

Interessanterweise gibt es bereits seit Jahrzehnten autonome U-Bahnsysteme und andere geschlossene Schienensysteme in ganz Europa, die 2016 sogar schon eine Milliarde Passagiere pro Jahr transportierten. Eines der bekanntesten deutschen Beispiele findet sich in Nürnberg. Hier fahren seit 2008 zwei der drei U-Bahn-Linien komplett autonom. Gesteuert werden die autonomen Wagons mittels Computer, der sich Kameras und Bewegungsmeldern bedient. Diese Umstellung führte  zu einem geringen Energieverbrauch, einer höheren Pünktlichkeit und letztlich zufriedeneren Passagieren.

Im U-Bahnbereich und zum Beispiel an Flughäfen sind autonome öffentliche Verkehrsmittel also keine Seltenheit mehr. Wie lange es noch dauert bis wir auch die ersten autonomen Busse ohne Fahrer erleben, bleibt abzuwarten. Die Vorteile der neuen Technik liegen klar auf der Hand, jetzt muss sie sich nur noch durchsetzen.


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