Autonomes Fahren: Die fünf Stufen

In den USA sind die weißen Chrysler Mini-Vans mit dem schwarzen Hütchen auf dem Dach mittlerweile keine Seltenheit mehr. Sie gehören zu Waymo, einem Tochterunternehmen des Google-Mutterkonzerns Alphabet. Waymos Vision sind Autos, die vollkommen selbstständig fahren. Der Weg dorthin teilt sich in fünf Stufen des autonomen Fahrens.

Erste Stufe: Assistiertes Fahren

Die erste Stufe des autonomen Fahrens beherrschen mittlerweile viele neuere Fahrzeuge. Spurassistenten oder andere gern beworbene Hilfen unterstützen den Fahrer, übernehmen aber keine Verantwortung. Der Fahrer ist jederzeit in der Kontrolle über das Fahrzeug und haftet für jegliche Schäden, die er verursacht.

Zweite Stufe: Teilautomatisiertes Fahren

Beim teilautomatisierten Fahren, kann das Auto erste Aufgaben kurzweilig selbst ausführen. Beim automatischen Einparken, übernimmt das Auto für den Vorgang des Einparkens die Kontrolle über das Lenkrad, Gas und Bremse. Ähnlich ist es beim Überholassistenten, der für den Überholvorgang kurz selbstständig agiert.

Doch auch bei der zweiten Stufe, liegt die Verantwortung noch immer beim Fahrer. Dieser muss jederzeit eingreifen können, wenn die Assistenzfunktion einen Fehler hat. Ein ständiger Blick auf den Verkehr ist dabei unerlässlich.

Dritte Stufe: Hochautomatisiertes Fahren

Langsam kommen wir der Vision vom selbstfahrenden Auto näher. Das Auto ist in der Lage einen Teil der Fahrsituationen zuverlässig zu bewältigen. Unter diesen Umständen darf sich der Fahrer auch vom Verkehrsgeschehen abwenden. Allerdings muss er aufmerksam genug bleiben, dass er der Aufforderung zur Kontrollübernahme schnell nachkommen kann. Meldet sich das System durch ein Signal, muss der Fahrer unverzüglich wieder das Steuer übernehmen.

Ein potentieller Bereich für hochautomatisiertes Fahren sind Autobahnen. Der Verkehr kreuzt sich dort nicht direkt und Gegenverkehr gibt es auch nicht. Kommt es während der Kontrolle durch die autonomen Fahrsysteme zum Unfall, trägt der Fahrer nicht selbst die Schuld.

Durch die Kontrollwechsel gilt diese Stufe mitunter als die gefährlichste. Der Übergang von der automatischen zur manuellen Kontrolle birgt Unfallgefahren. Ein absolutes Vertrauen in die Systeme kann und darf nicht entstehen.

Vierte Stufe: Vollautomatisiertes Fahren

Die führenden Anbieter sind gerade erst dabei, die ersten vollautomatisierten Fahrzeuge reif für den Betrieb zu bekommen. Ein Fahrer ist möglich, aber nicht zwingend notwendig.

In dieser Stufe ist der Wagen in der Lage alle Fahraufgaben selbstständig zu übernehmen. Bemerkt das System, dass die Fahrsituation die Systeme überfordert, bringt sich das Fahrzeug selbstständig in einen sicheren Zustand. Bei Abgabe der Fahrverantwortung ans Auto, wird der Fahrer selbst zum Passagier und darf sogar schlafen. Bestimmte Fahrstrecken dürfen selbst ohne Insassen bewältigt werden.

Da es in Deutschland noch keinen rechtlichen Rahmen für vollautomatisierte Fahrzeuge gibt, sind Rechte und Pflichten des Fahrers während der Fahrt noch nicht verbindlich.

Fünfte Stufe: Autonomes Fahren

Der heilige Gral des autonomen Fahrens, ist die letzte Stufe. Es gibt keinen Fahrer mehr als letzte kontrollierende Instanz. Sämtliche Fahrsituationen werden vom Auto selbst gemeistert. Auch komplexere Situationen wie das Durchfahren eines Kreisverkehrs und das korrekte Verhalten am Zebrastreifen, kann das Fahrzeug selbst bewältigen.

Da es keinen Fahrer mehr gibt, können Regelverstöße im Verkehr keinem Fahrer angelastet werden. Der Hersteller oder gegebenenfalls der Halter muss für entstehenden Schaden haften. Wie genau Rechte und Pflichten geregelt werden, ist allerdings noch nicht absehbar. Bislang fehlt eine rechtliche Berücksichtigung autonomer Fahrzeuge.

So weit sind die Hersteller

Die Entwicklung des autonomen Fahrens befindet sich gerade in einer wichtigen Übergangsphase. Während Stufe 3-Systeme langsam Einzug halten, werden erste Stufe 4-Systeme für autonome Fahrdienste für nächstes Jahr geplant.

Die Google-Schwester Waymo verkündete dieses Jahr, bereits zehn Millionen Meilen mit ihren Testautos gefahren zu sein. Mehrere Zehntausend Autos sollen die riesige Flotte in den nächsten Jahren verstärken. General Motors sieht vor, 2019 erste Robotertaxis anzubieten. Bislang wäre es gesetzlich allerdings nicht möglich.

Immerhin plant die US-amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA, autonome Autos der Stufe 4 auch ohne menschlichen Eingriff freizugeben. Die verbindlichen Regeln werden allerdings aktuell noch ausgearbeitet. Die Regulierung soll möglichst gering ausfallen. Bei Problemen behält sich die Behörde jedoch vor, die Anforderungen entsprechend zu verschärfen.

In Deutschland werden im Verkehr lediglich Autos bis zur 2. Stufe zugelassen. Das 2017 erschienene Modell des Audi A8 darf daher noch immer nicht seinen Staupiloten nutzen, da er als Stufe-3 System zählt.

Mittlerweile betreibt übrigens fast jeder größere Autohersteller Entwicklung zum autonomen Fahren, wenn auch nicht immer im Alleingang. BMW setzt beispielsweise auf eine Allianz mit mehreren namhaften Unternehmen. Dazu gehören unter anderem Hyundai, Continental, Intel und Mobileye.

In Zukunft wird es umso wichtiger, dass auch Politik und Autofahrer mitziehen. Nur wenn sich Gesetze auf die neuen Gegebenheiten anpassen und die Gesellschaft aufgeschlossen ist, kann die Innovation Einzug halten. Und das kann großen Einfluss auf die Zukunftsfähigkeit eines Landes haben.


Die Crew der Netzpiloten in Hamburg und Berlin setzt sich zusammen aus rund zehn festangestellten Redakteuren/innen, festen freien Blogger/innen sowie einigen Praktikanten. Alle Texte der Mitglieder unseres ausgedehnten Netzpiloten Blogger Networks erscheinen direkt unter deren Autorenhandle.