Roboter-Taxis: Daimler will 2021 mit 10.000 Autos starten

Einst waren selbstfahrende Taxis eine bloße Vision von Science Fiction-Autoren. Seit Dezember 2018 ist diese Vision bei Googles Schwesterfirma Waymo bereits Realität. Im US-Bundesstaat Arizona fahren dessen erste Roboter-Taxis des Modells Chrysler Pacifica. Zu Beginn ist der Service allerdings auf eine Fläche von 260 Quadratkilometer begrenzt und steht lediglich einigen Hundert Einwohnern zur Verfügung. Derzeit ist noch ein Sicherheitsfahrer dabei, der im Bedarfsfall das Steuer übernehmen kann.

Nun kommt Konkurrenz aus Deutschland. Die Daimler AG kündigt an, 2021 mit einem eigenen Roboter-Taxi-Dienst auf den Markt zu treten. Bis 2021 könnten dann mehr als 10.000 autonome Taxis im Einsatz sein.

Erste Tests schon dieses Jahr

Die autonomen Taxis sollen zuerst in die USA und nach Europa kommen. Schon jetzt wird mit verschiedenen Städten ein möglicher Start des Dienstes verhandelt. Doch auch den chinesischen Markt peilt Michael Hafner, Entwicklungsleiter für Robotertaxis bei Daimler, bereits an.

Schon letztes Jahr kündigte Daimler erste Tests eines automatisierten Shuttle-Services für die zweite Jahreshälfte 2019 an. Die Tests sollen im Silicon Valley des US-Bundesstaates Kalifornien stattfinden. Im Fokus steht dabei weniger das einzelne Fahrzeug, als ausgewählte Routen als Shuttle-Service einzurichten. „Entscheidend ist, ein sicheres, zuverlässiges und serienreifes System einzuführen“, betonte Michael Hafner dabei, den Fokus auf Sicherheit. Gegner autonomer Fahrzeuge bemängeln immer wieder die mögliche Fehleranfälligkeit selbstfahrender Autos. Erst kürzlich brachten tödliche Unfälle bei Uber und Tesla die Sicherheitsfrage wieder auf den Tisch.

Kooperation mit Bosch und Nvidia

Um im Rennen um autonome Mobilität konkurrenzfähig zu sein, schloss sich Daimler 2017 mit Bosch zusammen. Außerdem setzen die beiden Unternehmen auf die KI-Plattform Drive-Pegasus von Nvidia. Zum Lieferumfang gehört zudem auch die Betriebssoftware, auf der die durch maschinelles Lernverfahren erzeugten Algorithmen für die Fahrzeugbewegung laufen sollen.

Der Steuergeräteverbund erreicht eine Rechenkapazität von hundertbillionen Rechenoperationen pro Sekunde. Diese Power brauchen die Fahrzeuge auch, die verschiedenste Sensorendaten in Echtzeit verarbeiten müssen. Allein die Stereo-Videokamera von Bosch erzeugt pro gefahrenen Kilometer 100 Gigabyte Daten. Die Auswertung der Daten erfolgt ähnlich schnell, wie das menschliche Gehirn Schmerzreize wahrnimmt – das sind etwa 20 bis 500 Millisekunden.

5G nicht zwingend notwendig

Autonomes Fahren ist eines der beliebtesten Argumente für ein 5G-Netz geworden. Tatsächlich ist 5G aber nur begrenzt nötig, um Autos selbstständig fahren zu lassen. Berechnungen erfolgen in erster Linie durch die Verarbeitung der Sensordaten. Ein autonomes System würde auch kaum zugelassen werden, wenn ein Verbindungsproblem sofort Gefahrensituationen zur Folge hätte.

Unwichtig ist 5G trotzdem nicht, da so auch externe Daten zu Verkehr und Wetter schnell verarbeitet werden können. Gerade im Bereich von Roboter-Taxis strebt sicherlich auch Daimler eine gewisse Vernetzung der Fahrzeuge untereinander an. 5G hat außerdem auch viel größere Kapazitäten – eine Notwendigkeit, wenn immer mehr Geräte, über das Netz miteinander kommunizieren.


Image by Daimler

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