Formel E: Belächelt und erfolgreich

Lucas di Grassi, Jean-Eric Vergne, Stoffel Vandoorne, Sebastian Buemi, Nelson Piquet jr, Pascal Wehrlein und Felipe Masse. Viele Motorsport-Fans verbinden diese Namen mit der Formel 1 – der Königsklasse des Rennsports. Derzeit gehören sie jedoch alle zum Fahrerfeld der Formel E-Saison 2018/2019.

Die Formel E geht nun in ihre mittlerweile fünfte Saison. Doch obwohl die Serie großen Zuspruch erntet, wird sie gleichermaßen noch immer belächelt.

Grüne Technologie und Rennsport

Das Konzept der Formel E liegt schon im Namen. Von FIA-Präsident Jean Todt initiiert und von Promoter Alejandro Agag umgesetzt, vereint die Formel E grüne Technologie und Rennsport. Doch sowohl von Rennsport-Fans, als auch von Aktiven des Motorsports, gab es nicht viel Gegenliebe.

„Jetzt muss ich mich zurückhalten. Ich finde es Käse“, äußerte sich der mehrfache Formel 1-Weltmeister Sebastian Vettel beispielsweise. „Ich bin überhaupt kein Fan davon und als Zuschauer könnte ich mich dafür null begeistern.“

Dass es aber auch andere Meinungen dazu gibt, zeigt das namhafte Fahrerfeld, zu dem auch Daniel Abt gehört. Der 25-Jährige kommt aus einer traditionsreichen Rennfahrerfamilie für deren Team er fährt. Zuvor verdiente er seine Sporen bereits in der Formel 3, der GP2 und weiteren bekannten Rennserien.

Formel E ist eine Erfolgsgeschichte

Hätte man damals auf die Meinung eingefleischter Petrolheads gehört, wäre die Formel E nicht weit gekommen. Aber schon damals war sich Promoter Alejandro Agag bewusst, dass die Formel E eine völlig andere Zielgruppe anspricht als die Formel 1. Auf der offiziellen Seite, äußerte sich Agag 2014 in einem Interview: „Zu guter Letzt zielt die Formel E auf die neuen und jüngeren Motorsport-Fans ab – die Smartphone Millenials.“

Darauf sind auch die Strecken ausgerichtet. Bei allen Strecken des Rennkalenders handelt es sich um Stadtkurse. Unter anderem geht es in bekannte Städte wie Rom, Paris, Berlin und New York. Man kommt bequem mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln hin und zahlt auch noch deutlich weniger. In Berlin sind es beispielsweise 49 Euro – für Schüler, Studenten und Senioren sogar nur 39 Euro.  Zum Vergleich: Die Preise für ein Erwachsenen-Ticket zum Formel 1-Rennen am Hockenheimring fangen bei 219 Euro an.

Umstritten ist nach wie vor der Fanboost. Die Zuschauer können in einer sechstägigen Abstimmung für ihren Lieblingsfahrer abstimmen. Die drei Fahrer mit den meisten Stimmen erhalten für das Rennen einen kleinen Leistungsschub, den sie gegen Ende des Rennens einsetzen können. Rennpuristen kritisieren die Bevorteilung beliebter Fahrer, auch wenn diese nur für ein paar Sekunden anhält. Da User zwei Mal pro Tag für ihren Favoriten stimmen können, gerät der Personenkult stark in den Vordergrund.

Trotzdem ist die Formel E auf dem Vormarsch. Für die Saison 2018/2019 gibt es mit Porsche und Mercedes-Benz gleich zwei neue Werkteams bekannter Autohersteller. Damit sind es elf unterschiedliche Hersteller, die an der Formel E teilnehmen. Dazu trägt sicherlich auch der im Vergleich zur Formel 1 sehr geringe finanzielle Aufwand für Teams bei.

Erstmals ohne Autowechsel

Die ersten vier Saisons zeigte sich vor allem ein Nachteil von E-Autos für eine Rennserie: Die Akkus. Bislang mussten die Autos zur Hälfte des Rennens in die Box, um das Auto zu wechseln.

Für die neue Saison erhalten die Autos einen 54 kWh-Akku statt der bisherigen 28 kWh. Durch eine Kürzung der Rennen auf rund 40 Minuten, gehört der Autowechsel dann der Vergangenheit an. Auch die maximale Leistung der Autos steigt von 200 kW auf 250 kW an, so dass Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h möglich sind.

Statt des Autowechsels muss jedoch jeder Fahrer zwei verschiedene Leistungsstufen des Motors verwenden. Der Hochleistungsmodus soll ungefähr eine Sekunde Unterschied ausmachen. Damit möchte die Serie für ein weiteres Spannungselement sorgen, wenn die Fahrer in unterschiedlichen Modi unterwegs sind.

Techniklabor Formel E

Rennsport ist nicht nur Unterhaltung, sondern auch maßgeblich für die Weiterentwicklung von Autos verantwortlich. Assistenzsysteme, Allradantrieb, Kohlenstoff und Energierückgewinnung haben ihre Wurzeln im Motorsport.

Die Formel E ist da keine Ausnahme. Gerade weil Elektrofahrzeuge zu den Anfängen der Formel E noch nicht auf den Rennsport ausgelegt waren, forciert die Serie nochmals die Entwicklung der Elektromobilität. Seit 2018 ist zudem auch das Schweizer Unternehmen ABB der Titelsponsor. ABB ist mit 136.000 Mitarbeitern führend in der Energie- und Automatisierungstechnik.

Hatte man in der ersten Saison noch Einheitsautos, gibt es mittlerweile keine Einheitsmotoren. Umso wichtiger, dass immer mehr Automobilhersteller Teams an den Start schicken und damit auch ihrerseits die Weiterentwicklung vorantreiben.

Die größeren Batterien sind der bislang größte Schritt, den die Serie nach vorn macht. Doch auch kleine Verbesserungen können Unterschiede bewirken. Bessere Software, höhere Energieeffizient, weniger Gewicht – die Formel E hat das Potential ein wichtiger Baustein in der Weiterentwicklung von E-Autos zu werden und dabei für eine größere Akzeptanz der neuen Technologie zu sorgen.

Die Formel E wird die klassischen Rennserien vorerst nicht verdrängen. Das fünfte Jahr könnte aber sehr entscheidend werden. Nun muss sich zeigen, wie gut die Weiterentwicklung funktioniert und ob neue Hersteller auch langfristig gehalten werden.


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