Geräuschpflicht für E-Autos – Daimler und BMW präsentieren ihre Sounds

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Während sich ein Verbrennungsmotor bereits beim Start des Autos mit Geräuschen zu erkennen gibt, bleibt das elektrische Pendant leise. Aber auch bei niedriger Geschwindigkeit sind Elektroautos nahezu geräuschlos. Das mag beim Fahren durchaus angenehm sein, auch Fußgänger oder Anwohner könnten sich darüber freuen – das sollten sie aber besser nicht. Die Europäische Union ist auch dieser Ansicht, deshalb hat sie eine Geräuschpflicht für E-Autos eingeführt. Seit dem 1. Juli dieses Jahres müssen neue Typen von Hybrid- und Elektroautos sowie Brennstoffzellenfahrzeuge, die in der EU zugelassen sind, bei niedriger Geschwindigkeit ein gut wahrnehmbares Geräusch von sich geben.

Der Grund dafür ist simpel: Das Motorengeräusch verrät üblicherweise Fußgängern oder Radfahrern, dass sich ein fahrendes Auto in der Nähe befindet, auch wenn es gerade nicht sichtbar ist. Auf oder in der Nähe einer Straße mit spielenden Kindern ist dieses Geräusch ebenfalls bestens vertraut und ein warnendes Signal zugleich. Ein sich mit moderater Geschwindigkeit näherndes Elektroauto hingegen würde von ihnen im schlimmsten Fall überhaupt nicht bemerkt werden. Szenarien dieser Art möchte die EU zukünftig verhindern.

EU-Verordnung gibt Rahmenbedingungen für die Geräusche vor

Die neue Regelung sieht vor, dass beim Anfahren und bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h das sogenannte Acoustic Vehicle Alerting System, kurz AVAS, eingeschaltet sein muss. Ab einer höheren Geschwindigkeit hingegen ist das Geräusch, das durch die auf der Fahrbahn rollenden Reifen entsteht, laut genug, um Fußgänger ein warnendes Signal zu sein. Einige Hersteller haben bereits freiwillig vor dem Inkrafttreten der Vorschrift auf ein AVAS gesetzt. Üblicherweise lässt es sich manuell an- und ausschalten.

Der Geräuschpflicht für E-Autos zufolge, muss der künstlich erzeugte Klang eine Lautstärke von mindestens 55 Dezibel erreichen, darf aber den Wert von 75 Dezibel nicht überschreiten. Außerdem muss es einem tatsächlichen Motorengeräusch ähneln und beim Abbremsen und Beschleunigen unterschiedlich klingen. Die Vorschrift verlangt zudem, dass sich das AVAS während des Startvorgangs automatisch anschaltet.

Daimler und BMW: natürlicher Klang vs. futuristischer Sound

Wie solche Geräusche klingen können, hat Daimler erst kürzlich präsentiert. Laut dem Unternehmen sei es das Ziel gewesen, ein unaufdringliches, aber gut wahrnehmbares Geräusch zu erzeugen: Der neue Sound des Elektro-SUVs EQC dient Daimler als Beispiel dafür. Außerdem lege Daimler Wert darauf, dass keine unnatürlichen, also zum Beispiel Science-Fiction-Sounds, vom AVAS erzeugt werden. Interessant ist ferner, dass Länder wie zum Beispiel die USA, andere Anforderungen an das System stellen. Die Autohersteller müssen dementsprechend ihre E-Auto-Geräusche an die unterschiedlichen Märkte anpassen.

BMW hingegen setzt offenbar genau auf das, was Daimler vermeiden möchte: futuristische Klänge. Dafür haben sie sogar mit keinem geringeren als den oscarprämierten Filmkomponisten Hans Zimmer zusammengearbeitet. Der Sound des BMW Vision M NEXT ist alles andere als Bescheiden und könnte direkt aus einem Videospiel stammen. Laut Jens Tiemer, Leiter der Marke BMW, möchte der Autohersteller vor allem viel Wert auf einen emotionalen Klang legen. Renzo Vitale ist Sound Designer bei BMW. Er wiederum erklärt, dass mit dem Sound insbesondere die Schönheit und Komplexität der Fahrzeuge betont werden solle. Wie der Hybridsportwagen tatsächlich klingt, könnt ihr euch mit diesem Video anhören:


Mercedes-Benz EQC, Photo by Daimler AG