Hyperloop TT stellt erste Kapsel fertig

Als Elon Musk 2013 das Konzept eines neuen Hochgeschwindigkeitstransportsystems vorstellte, war die Skepsis noch groß. Seit dem 2. Oktober ist die Vision der Realität um 32 Meter nähergekommen. So lang ist nämlich die erste Passagierkapsel für die moderne Röhrenpost, die im spanischen Puerto de Santa Maria offiziell enthüllt wurde. Sie wiegt 5.000 Kilogramm und hat eine Innenkabine von 15 Metern Länge.

Gebaut wurde die Kapsel mit dem Namen „Quintero One“ vom neu gegründeten Unternehmen Airtificial. Nun soll man die Quintero One nach Toulouse, Frankreich überstellen. Dort liegt das Forschungszentrum von Hyperloop Transportation Technologies (Hyperloop TT), sowie Europas erste Teststrecke. Für den Bau wurde ein eigens entwickeltes Verbundmaterial mit dem Namen Vibranium verwendet. Eine Anlehnung an das gleichnamige, unzerstörbare Material aus dem Marvel-Universum. Das Material soll zehnfach so stark wie Stahl und dabei trotzdem sehr leicht sein.

Photo by Hyperloop TT

Was ist der Hyperloop?

In der Science Fiction wurde schon öfter das Prinzip der Rohrpost aufgegriffen, um Menschen mit hoher Geschwindigkeit durch Röhren zu schießen. Im August 2013 holte Unternehmer Elon Musk die Idee aus der Science Fiction in die Gegenwart. Nämlich als er sein Konzept der Hyperloop öffentlich als White Paper zur Verfügung stellte. Die Transportkapseln sollen eine Geschwindigkeit von bis zu 1.200 Stundenkilometer erreichen. Und dabei weniger Energie benötigen als moderne Züge.

Ermöglicht wird das, durch die Kombination zweier Technologien. Zum einen bewegt sich die Kapsel des Hyperloop auf einem Luftkissen. Angetrieben durch elektromagnetische Kräfte – im Prinzip eine Magnetschwebebahn. Die zweite Technologie ist ein Unterdruck, der erzeugt wird und dafür sorgt, dass die Transportkapsel deutlich weniger Luftwiderstand zu überwinden hat. Damit erreicht man nicht nur höhere Geschwindigkeiten, sondern auch weniger Energieaufwand. Dieser wäre allein nötig, um die Luft zu verdrängen. Im Prinzip ist der Hyperloop also ein Transrapid in einer Röhre mit Unterdruck.

Musks Pläne sehen sogar vor, dass der Hyperloop oberirdisch auf Stützen gebaut und mit Solarkollektoren ausgestattet ist. Damit wäre der Hyperloop je nach Klima energieneutral zu betreiben.

Wann können wir mit dem Hyperloop fahren?

Auch wenn mehrere Unternehmen bereits an Umsetzungen arbeiten, steckt der Hyperloop noch in den Kinderschuhen. Die Transportkapsel Quintero One ist bislang auch ein Prototyp, dessen Innenraum noch ausgestaltet wird. Teststrecken für den Hyperloop existieren. Allerdings sind diese aber sehr kurz und die Geschwindigkeiten damit weit von den angestrebten 1.200 km/h entfernt. Der Geschwindigkeitsrekord wurde beim bereits zum dritten Mal veranstalteten Hyperloop-Wettbewerb von Elon Musk auf der SpaceX-eigenen Teststrecke aufgestellt. Die Kapsel der Technischen Universität München schaffte es auf 467 km/h. Damit war dieser dreimal so schnell, wie Platz zwei (142 km/h).

Bevor die ersten Fahrgäste jedoch mit dem Hyperloop transportiert werden, sind noch unzählige Tests nötig. Um eben auch die Sicherheit auf lange Sicht gewährleisten zu können.

Erste Strecke vielleicht schon 2019

Über mögliche Strecken wird bislang nur spekuliert. Hyperloop One veröffentliche im Juni 2017 beispielsweise neun mögliche Routen für Europa. Darunter auch eine 1991 Kilometer lange Rundstrecke durch Deutschland.

Hyperloop TT plant für die USA Routen unter anderem eine Verbindung zwischen Chicago und Cleveland. Für diese wird eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. Die konkretesten Pläne hat das Unternehmen jedoch für eine zehn Kilometer kurze Strecke, die Abu Dhabi und Dubai miteinander verbinden soll. Das soll jedoch nur die Basis für ein größeres Hyperloop-Netzwerk sein. Sein volles Potential entfaltet die Technologie schließlich erst auf größere Distanz.

Mittlerweile sind viele größere Unternehmen an dem Transportsystem interessiert. 2016 ist beispielsweise die Deutsche Bahn dem Zukunftsprojekt beigetreten. Hält man sich vor Augen, dass man das Konzept erst vor fünf Jahren veröffentlichte, ist die Entwicklung des Hyperloop beeindruckend.


Photo by Hyperloop TT (PRESS KIT)

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