RiverBus – Ein Bus lernt schwimmen

Es ist ein schöner Tag in Hamburg. Ein leichter Wind weht und bei 14 Grad lässt sich sogar die Sonne blicken, während ein Bus gemütlich in der Elbe schwimmt.

Sekunde! Ein Bus? In der Elbe? Schwimmen? Was zunächst wie ein Scherz klingt oder ein fahrerisches Missgeschick anmutet, ist völliger Ernst. Seit Frühjahr 2018 fährt in Hamburg ein Bus für kombinierte Stadtrundfahrten. Deutschlands erster Amphibienbus fährt sowohl an Land, als auch zu Wasser und macht dabei eine gute Figur.

Mit dem Bus durch die Hafencity

Vom Brooktorkai 16 in der Speicherstadt beginnt die außergewöhnliche Fahrt durch das UNESCO Weltkulturerbe. Gut 25 Minuten fährt der RiverBus durch die Speicherstadt, ehe er über eine Rampe ins Wasser fährt. Zu Land steuerte der Busfahrer noch mit einem normalen Lenkrad. Nach der Wasserung greift er zu einem Joystick, mit dem er das Fahrzeug auf dem Wasser steuert.

Im Wasser geht es schließlich elbaufwärts weiter, wobei auch das zweitgrößte Sturmflut-Sperrwerk Deutschlands passiert wird. Durch die geschichtsträchtige Billwerder Bucht, fährt der RiverBus zu einem der letzten Hamburger Süßwasserwattgebiete. Nach ungefähr 30 Minuten erreicht der Bus wieder die Rampe und fährt an Land zurück zum Ausgangspunkt.

Ca. alle 90 Minuten dreht der ungewöhnliche Bus seine Runde. Die Abhängigkeit von den Gezeiten, Ebbe und Flut, sorgt jedoch für täglich andere Abfahrzeiten.

Was war zuerst: Der Bus oder das Schiff?

Das Konzept wirft natürlich die Frage auf, welches Gefährt denn die Grundlage für den ungewöhnlichen Bus ist. Gebaut wurde das Amphibienfahrzeug auf dem Chassis eines MAN Lkw. Um das Projekt zu realisieren war jedoch viel Pioniergeist nötig Fred Franken, einer der beiden Gründer erzählt: „Über vier Jahre haben wir gebraucht: Zwei Jahre Planungszeit, ein Jahr Bauzeit und ein Jahr Bemühen um die Genehmigungen.“

Vor allem die Genehmigungen haben es in sich, denn etwas Vergleichbares hat es in Deutschland zuvor noch nicht gegeben. Vorgesehen sind Amphibienfahrzeuge auch nicht im deutschen Verkehrsrecht. Unter anderem wurden auch Haltewunschtaster im RiverBus angebracht. Nicht weil sie gebraucht werden, sondern weil es Teil der Bestimmungen ist.

Gefordert sind auch die Werkstattmitarbeiter. Da das Fahrzeug weder ein Bus noch ein Schiff ist, stellt die Wartung des Fahrzeugs einzigartige Ansprüche an das Personal.

Auch in anderen Städten

Hamburgs RiverBus mag Pionierarbeit geleistet haben, ist jedoch nicht der einzige seiner Art. Mehrere Städte in Europa bieten mittlerweile ähnliche Stadtrundfahrten an. In Salzburg hat man sich beim Design mehr am Schiff orientiert und steigt an einem Anleger ein. Mit dem bunten RiverRide geht es zu Wasser und Land an den historischen Sehenswürdigkeiten Budapests vorbei. In Rotterdam geht man sogar einen Schritt weiter und ermöglicht auch Touren außerhalb des regulären Fahrplans mit alternativen Routen.

Auch in Deutschland greift das Konzept. So kann man in Lübeck bereits mit dem Bus die Trave entlang schippern. In Dresden prüft man hingegen die Möglichkeit eine Fähre durch einen schwimmenden Bus zu ersetzen. Bis der erste Bus in Dresden wassert, wird aber noch einige Zeit vergehen. Sowohl in Hamburg, als auch in Lübeck brauchte die Umsetzung gut vier Jahre.


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